Glossar

Kunst und Kultur

Kunst und Kultur sind zwei Begriffe mit einer langen und wechselhaften Geschichte. So wird der Kulturbegriff explizit erstmals von Cicero (106 – 43 v. Chr.) verwendet, der ihn von der Pflege des Ackerbaus („cultura agri“) auf die Pflege des Geistes überträgt („cultura … animi philosophia est“). Kunst und Kultur werden im deutschen Sprachraum bis ins frühe 19. Jahrhundert oftmals gleichbedeutend mit Zivilisation, Geist, Philosophie, Theologie, Religion und Wissenschaft gesehen. Dies spiegelt sich auch in den noch heute gängigen Verwendungen wieder. So definiert die Brockhaus-Enzyklopädie Kunst im weitesten Sinn als jede auf Wissen und Übung begründete Tätigkeit, stellt jedoch gleichzeitig eine Definition im engeren Sinn bereit, nach der Kunst „die Gesamtheit des vom Menschen Hervorgebrachten [darstellt], das nicht durch eine Funktion eindeutig festgelegt oder darin erschöpft ist, zu dessen Voraussetzungen die Verbindung von hervorragendem Können und großem geistigem Vermögen gehören“. Erweitert wird dies noch um eine Definition im engsten Sinn, bei der Kunst, vor allem im alltäglichen Sprachgebrauch, für die bildende Kunst steht. Dieser sehr verengende Begriff von Kunst gilt allerdings spätestens seit Mitte des 20. Jahrhunderts als überkommen, da andere Künste wie Literatur, Musik, Tanz, Theater, Performance, Medienkunst, Film, Fotografie oder Baukunst ignoriert würden. Ähnlich verhält es sich mit dem Kulturbegriff, der heutzutage aufgrund seiner Komplexität in vielfältigsten Situationen gebraucht wird. Der Brockhaus fasst darunter in seiner weitesten Verwendung alles, was der Mensch geschaffen hat, was also nicht naturgegeben ist. Auch hier bietet die Enzyklopädie eine Definition in engerem Sinne an. Demnach bezeichnet „Kultur die Handlungsbereiche, in denen der Mensch auf Dauer angelegte, einen individuellen oder kollektiven Sinnzusammenhang gestaltende oder repräsentierende Produkte, Produktionsformen, Verhaltensweisen und Leitvorstellungen hervorzubringen vermag, die dann im Sinne einer Wertordnung oder eines Formenbestandes das weitere Handeln steuern und auch strukturieren können.“

Kulturelle Bildung

Kultur und Bildung sind untrennbar miteinander verbunden. Sie bedingen und beeinflussen sich auf vielfältige Art und Weise. So ist etwa kulturelle Bildung ein wesentlicher Bestandteil von allgemeiner Bildung. Sie kann als Bildung zur kulturellen Teilhabe verstanden werden, bei der es darum geht, künstlerische und kulturelle Praxen auf breiter Ebene zugänglich zu machen, eine Auseinandersetzung mit künstlerischen Disziplinen im Sinne einer musischen Basisbildung für alle anzuregen und den ästhetischen Blick auf Umwelt und Gesellschaft im Sinne einer „Herzensbildung“ zu schärfen. Kulturelle Bildung führt zu selbstbestimmter Persönlichkeitsentwicklung und eröffnet Möglichkeitsräume für aktives künstlerisches Tun. Im Gegensatz zur reinen Vermittlung von Kultur geht kulturelle Bildung darüber hinaus und rückt die Dimension des aktiven Erwerbs von kulturellem Wissen und künstlerischen Fertigkeiten sowie deren Verankerung im Alltag stärker in den Vordergrund.

Diskriminierung

Unter Diskriminierung werden herabsetzende Verhaltensweisen gegenüber anderen Menschen oder Gruppen verstanden. Als soziale Diskriminierung tritt sie auf, wenn jemand aufgrund von Geschlecht, Alter, ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder Weltanschauung, sexueller Orientierung oder Behinderung benachteiligt wird. Erfolgt die Diskriminierung ausschließlich aufgrund dieser Kriterien, wird von direkter Diskriminierung gesprochen. Eine indirekte Diskriminierung liegt hingegen vor, wenn dem Anschein nach neutrale Vorschriften bestimmte Menschen schlechter behandeln, obwohl es dafür keine sachliche Rechtfertigung gibt. Diskriminierende Haltungen und Handlungen laufen dem Grundsatz der Gleichbehandlung und der Forderung nach Chancengleichheit zuwider, die für moderne demokratische Gesellschaften fundamental wichtig sind. In den letzten Jahrzehnten haben gesetzgebende Körperschaften daher entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen, um Diskriminierungen zu vermeiden und Gleichstellung sicherzustellen. Beispiele dafür sind etwa das Bundesgesetz über die Gleichbehandlung (GlBG 2004) oder das Salzburger Gleichbehandlungsgesetz (S.GBG 2006).

Inter- und Transkultur

Interkulturalität stellt ein Konzept dar, bei dem Bedingungen und Möglichkeiten eines Austausches zwischen Kulturen ausgelotet werden, um zu einem Mehr an Verständigung, einem wechselseitigen Verstehen und einer gegenseitigen Anerkennung beizutragen. Mit Interkulturalität wird vor allem das „Zwischen“ betont, d. h. die Rolle des Austauschs zwischen Kulturen bei gleichzeitiger Wahrung der Unterschiede. Das Konzept einer Transkulturalität unterscheidet sich davon vor allem dahingehend, da bei ihm auf die Verwischung von kulturellen Grenzen bis hin zur Aufhebung und Begründung von neuen Einzelkulturen fokussiert wird. Beiden Konzepten gemeinsam ist, dass sie davon ausgehen, dass Kulturen keine in sich geschlossenen Systeme sind, sondern offene Gebilde, die sich wechselseitig beeinflussen, den Austausch suchen und sich ständig wandeln. Damit wird es möglich, bei der kulturellen Identitätsfindung weder das Fremde gewaltsam anzueignen noch das Eigene zu verleugnen.

Prekäre Arbeitsverhältnisse

Unter Prekarisierung (von frz. précaire: unsicher, schwankend, widerruflich) wird das seit mehreren Jahren beobachtbare Phänomen der Zunahme von unsicheren Arbeits- und Lebensverhältnissen in industrialisierten Gesellschaften verstanden. In Bezug auf die Erwerbsarbeit sind prekäre Arbeitsverhältnisse insbesondere durch ihre Abgrenzung zum Normalarbeitsverhältnis und den mit diesen verbundenen Sicherungselementen bestimmt. Prekarität ergibt sich etwa durch atypische Beschäftigungsformen wie Teilzeitarbeit, Leiharbeit, Solo-Selbständigkeit und geringfügige Beschäftigung, niedrige und unsichere Einkommen oder das Fehlen von sozialen Schutzmechanismen wie Krankenversicherung, Unfallversicherung, Pensionsversicherung und Arbeitslosenversicherung. Gerade der Kunst- und Kulturbereich ist stark von Prekarisierung und der mit ihr einhergehenden Gefahr potenzieller Armut betroffen. Laut der 2008 durchgeführten, repräsentativen Studie „Zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen in Österreich“ lebten im Erhebungsjahr 37 % der Künstlerinnen und Künstler in Österreich unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze.

Wirkungsorientierte Förderung

In einer wirkungsorientierten Verwaltung bilden nicht die zur Verfügung stehenden Ressourcen, sondern die angestrebten Wirkungen in der Gesellschaft und die hierfür erforderlichen Leistungen den Ausrichtungsmaßstab des Verwaltungshandelns. Dahinter steht der Gedanke, dass die Wirkung letztendlich das Ziel staatlichen Handelns ist und nicht nur das bloße Tätigwerden der Verwaltung. Bei der Umsetzung der Wirkungsorientierung sind grundsätzlich zwei Anwendungsgebiete voneinander zu unterscheiden: einerseits die wirkungsorientierte Verwaltungssteuerung mit dem Ziel einer effektiven und effizienten öffentlichen Verwaltung, andererseits die wirkungsorientierte Folgenabschätzung von Regelungsvorhaben und sonstigen Vorhaben sowie deren interne Evaluierung mit dem Ziel einer besseren Rechtssetzung bzw. Vorhabensplanung. Im Förderwesen nimmt die Wirkungsorientierung eine zunehmend wichtige Position ein, Regelungen dazu finden sich etwa in Bundes- und Landeshaushaltsgesetzen oder in den Allgemeinen Rahmenrichtlinien für die Gewährung von Förderungen aus Bundesmitteln.

EU-Programme

Mit dem EU-Vertrag von Maastricht wurde im November 1993 die Rechtsgrundlage für das kulturpolitische Engagement der Europäischen Union geschaffen. Im „Kulturartikel“ (§ 167 des Vertrags von Lissabon) verpflichtet sich die EU zur Wahrung der kulturellen Vielfalt Europas sowie zur Unterstützung von Aktivitäten der Mitgliedstaaten zum Schutz des gemeinsamen Kulturerbes und zur Förderung des zeitgenössischen künstlerischen Schaffens. Unter Beachtung des Subsidiaritätsprinzips liegt die Kompetenz weiterhin uneingeschränkt bei den Mitgliedstaaten. Die Rolle der EU beschränkt sich auf unterstützende und koordinierende Maßnahmen. Zu den für den Kunst- und Kulturbereich wichtigsten Maßnahmen zählen dabei Förderprogramme wie „Creative Europe (2014 – 2020)“, „Leader Transnational Kultur (2014 – 2020)“ oder „Interreg V (2014 – 2020)“, die Vergabe von Titeln wie Europäische Kulturhauptstadt oder Europäisches Kulturerbe-Siegel und Leitinitiativen wie die Digitale Agenda für Europa.

UNESCO

Die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) ist eine 1945 gegründete Sonderorganisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation. Ende 2017 gehörten ihr insgesamt 195 Staaten an. Zu den Aufgaben der UNESCO zählen die Förderung der internationalen Zusammenarbeit auf den Gebieten der Bildung und Erziehung, der Kultur, der Natur- und Sozialwissenschaften, der Information und Kommunikation sowie die Durchsetzung der Menschenrechte einschließlich des Rechts auf Bildung. Für den Kulturbereich besonders wichtig sind verschiedene Konventionen und Deklarationen, die von der UNESCO in den letzten Jahrzehnten verabschiedet wurden und zu denen sich die Mitgliedsstaaten bekennen. Dazu zählen die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten von 1954, die Konvention gegen illegalen Handel mit Kulturgut von 1970, die Welterbekonvention von 1972, die Allgemeine Erklärung zur kulturellen Vielfalt 2001, die Konvention zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes 2003 und das Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen 2005.

Barrierefreiheit

Barrierefreiheit bezeichnet die Gestaltung der uns umgebenden Umwelt in einer Art und Weise, dass sie möglichst einfach und ohne zusätzliche Hilfen genutzt und wahrgenommen werden kann. In erster Linie wird der Begriff dabei im Sinne eines „Design für alle“ für die Gestaltung der baulichen und medialen Umwelt verwendet, die für Menschen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen umfassend und uneingeschränkt zugänglich sein soll. Dazu nötig sind barrierefreies Bauen, Orientierungshilfen (z. B. ertastbare Leitsysteme, Bodenmarkierungen bei Stiegen oder Braillebeschriftungen), unterstützende Technologien (z. B. Rollstühle, Liftanlagen oder Spracheingabesysteme) sowie barrierefreie Information und Kommunikation (z. B. Induktionsanlagen, Gebärdensprache, Leichter-Lesen-Texte, akustische Hilfen oder barrierefreies Internet). In den letzten Jahren wurde der Begriff im Sinne einer „Kultur für alle“ immer wieder auch für andere Bereiche und Gruppen verwendet, um auf die Notwendigkeit eines einfachen und uneingeschränkten Zugangs zu Kunst und Kultur hinzuweisen. Dies betrifft etwa den Abbau von sozialen und interkulturellen Barrieren (z. B. freie Eintritte in Museen, kunst- und kulturbezogene Aktionsprogramme für von Armut betroffene Menschen oder mehrsprachige Informationsangebote).

Citizen Science

Unter Citizen Science werden Ansätze einer offenen Wissenschaft verstanden, bei denen BürgerInnen teilweise oder vollständig Forschungsarbeiten übernehmen. Dies erfolgt vor allem durch intellektuelle Mitarbeit, die Beisteuerung von lokalem Wissen oder die Bereitstellung von zur Verfügung stehenden Mitteln und Ressourcen. Citizen Scientists formulieren Forschungsfragen, melden Beobachtungen, führen Messungen durch, werten Daten aus oder verfassen Publikationen – unter Einhaltung wissenschaftlicher Kriterien. Partizipation, Demokratisierung und Transdisziplinarität sind wesentliche Elemente einer Citizen Science, die so zu einem verstärkten Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik beitragen soll.

Inklusion

Inklusion meint vollkommene Teilhabe des Einzelnen am Ganzen. Der Begriff ist eng mit den grundlegenden Menschenrechten verbunden und rückt die Ansprüche jedes einzelnen Menschen auf Freiheit, Gleichheit und Solidarität in den Mittelpunkt. Inklusion beschreibt in diesem Zusammenhang auch die Gleichwertigkeit jedes Individuums, ohne dass dabei Normalität vorausgesetzt wird. Als normal wird das Vorhandensein von Unterschieden und die damit einhergehende Vielfalt angesehen. Inklusion steht damit in direktem Gegensatz zum Konzept der Exklusion, grenzt sich aber auch deutlich gegenüber den Konzepten der Separation und der Integration ab. Inklusive Konzepte haben in den letzten Jahren vor allem in sozial-, bildungs- und kulturpolitischen Zusammenhängen an Bedeutung gewonnen, um eine gleichberechtigte Teilnahme jedes Menschen – unter Bewahrung seiner Individualität – am gesellschaftlichen Leben auf allen Ebenen zu ermöglichen. Aufgabe der Gesellschaft ist es dabei, die entsprechenden Strukturen für Inklusion zu schaffen.

Kooperation und Kollaboration

Unter Kooperation wird das zweckgerichtete Zusammenwirken von Personen oder Gruppen verstanden, die in einem arbeitsteiligen Prozess ein gemeinsames Ziel verfolgen. In ähnlicher Weise bezeichnet Kollaboration eine fortlaufende und verschränkte Zusammenarbeit zwischen Personen oder Gruppen. Der Begriff hat im Zuge des Zweiten Weltkriegs zwar eine negative Deutung erfahren, wurde in jüngster Zeit jedoch wieder zunehmend positiv besetzt, insbesondere in Zusammenhang mit wirtschafts- und technologieorientierten Arbeitsweisen. Während bei der Kooperation einzelne Personen oder Gruppen an unterschiedlichen Teilaufgaben des Endergebnisses arbeiten, ist dies bei der Kollaboration nicht der Fall. Hier wird parallel gemeinsam am Endergebnis (oder einem Teil davon) gearbeitet, dazu sind alle Beteiligten in die Produktion aller Ergebnisse des Projektes involviert.

Kreativwirtschaft und kreative Communities

Unter Kreativwirtschaft werden all jene Branchen an der Schnittstelle zwischen Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft zusammengefasst, die an Kreation, Produktion, Reproduktion und Transfer von Gütern oder Leistungen mit hohem, symbolischem Wert beteiligt sind. Im Kernbereich handelt es sich dabei um Produktionsorte, die durch Kreativität und Innovation Prozesse auslösen, bei denen kunstnahe Inhalte und Formen, komplexe Informations- und Wissensbestände und geistiges Eigentum von zentraler Bedeutung sind. Zur Kreativwirtschaft zählen vor allem gewinnorientierte Unternehmen und Selbständige aus den Bereichen Architektur, Musik, Film, Fotografie, Buch, Presse, Medien, Design, Games, Werbung, Wissenschaft und digitale Technologien. Bei entsprechender Verdichtung im virtuellen oder im konkreten Raum entstehen hierbei kreative Communities. Oftmals sind diese entlang der jeweiligen Wertschöpfungsketten in den einzelnen Branchen angeordnet, zunehmend kommt es allerdings auch zu branchenübergreifenden Formationen, etwa im Zuge der Ansiedlung von kreativwirtschaftlichen Unternehmen und Selbständigen in ehemaligen Fabrikarealen.

Partizipation und Teilhabe

Unter Partizipation kann die mehr oder minder anerkannte beziehungsweise berechtigte Teilhabe einer Person oder Gruppe an Handlungsabläufen oder Entscheidungsprozessen verstanden werden. Der Begriff wurde früher nur für Mitwirkungsmöglichkeiten in formellen und staatlich legitimierten Strukturen und Organisationen verwendet (z. B. Wahlsystem oder Verwaltungshandeln), mittlerweile aber auch für unkonventionelle und darüberhinaus gehende Zusammenhänge (z. B. BürgerInneninitiativen oder ziviler Ungehorsam). Unterschieden werden können verschiedene Stufen von Partizipation. In ihrer bekannten „Ladder of Citizen Participation“ unterscheidet etwa Sherry Arnstein zwischen Nicht-Beteiligung (Stufe 1: Manipulation, Stufe 2: Therapie), Schein-Beteiligung (Stufe 3: Information, Stufe 4: Anhörung und Beratung, Stufe 5: Beschwichtigung) und echter Beteiligung (Stufe 6: Partnerschaft mit Beteiligung in Aushandlungssystemen, Stufe 7: Übertragung von Macht für Teilbereiche, Stufe 8: Volle Entscheidungskompetenz inkl. Kontrolle). Angesichts der Bedeutung von Planung, Gremienarbeit und ExpertInnenwissen kommt der Partizipation gerade im Verwaltungshandeln in den letzten Jahren eine besondere Aufmerksamkeit zu.

Inter- und Transdisziplinarität

Inter- und Transdisziplinarität sind zwei Begriffe, die vor allem im wissenschaftlichen Bereich verwendet werden. Interdisziplinär meint dabei eine Zusammenarbeit zwischen mehreren Personen oder Organisationen aus unterschiedlichen Wissenschaftszweigen bzw. Disziplinen, etwa ein Kooperationsprojekt zwischen KulturwissenschaftlerInnen, RechtswissenschaftlerInnen und InformatikerInnen. Die einzelnen beteiligten AkteurInnen nutzen die gewonnenen Erkenntnisse für ihre weitere Arbeit in ihrer jeweiligen Disziplin. Transdisziplinarität geht darüber hinaus und bezeichnet eine Zusammenarbeit, die sich aus ihren disziplinären Grenzen löst, ihre Probleme disziplinenunabhängig definiert und disziplinenunabhängig löst. Dies kann dazu führen, dass sich ursprünglich interdisziplinär erarbeitete Ergebnisse in komplexen disziplinären Vernetzungen fortentwickeln und dadurch neue Disziplinen entstehen (z. B. Gender Studies, Nanowissenschaften oder artbased research). Charakteristisch für transdisziplinäre Ansätze ist außerdem die enge Zusammenarbeit von wissenschaftlichen und außerwissenschaftlichen AkteurInnen, etwa indem KünstlerInnen und KulturarbeiterInnen gleichwertig in den Forschungsprozess miteinbezogen werden.

Künstlerische Forschung

Unter künstlerischer Forschung sind Ansätze zusammengefasst, bei denen künstlerische Verfahrensweisen eingesetzt werden, um wissenschaftlich relevante Erkenntnisse zu gewinnen. Dahinter steht eine Auffassung, die Kunst als gleichberechtigte aber verschiedene Form der Wissensproduktion begreift, die nach eigenen Kriterien funktioniert. Sie stellt damit geltende Überzeugungen des Wissenschaftsbetriebs grundsätzlich in Frage und widerspricht der Vorstellung, Kunst und Wissenschaft seien als Gegensätze zu sehen, sondern stärkt deren Gemeinsamkeiten, beispielsweise das Interesse an Erkenntnisgewinn und Wissensvermehrung. In der Forschungspraxis kommt es durch künstlerische Forschung zu einer Hybridisierung von Wissensformen, etwa indem laborähnliche Experimente gestartet werden, die sich mit narrativen Versatzstücken, komplexen Installationen und medialen Performances vermischen. Gerade in der kunstuniversitären Ausbildung nehmen Ansätze einer künstlerischen Forschung eine zunehmend wichtige Rolle ein, wie sie etwa in den „Florence Principles on the Doctorate in the Arts“ festgehalten sind.

Erinnerungskultur

Erinnerungskultur ist ein Schlüsselbegriff in der kulturwissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Diskussion um die Funktion von kulturellen Mustern der Erinnerung und der Bedeutung von Gedächtnis für die Herausbildung von Identität. Mit ihm wird der Umgang des Einzelnen und der Gesellschaft mit der eigenen Vergangenheit und Geschichte thematisiert, vor allem wenn es um nationale Geschichtsbilder, nationales Gedenken oder die Verantwortung und Schuld in den je eigenen „Geschichten“ geht. Zwei Fragen sind dabei von besonderer Wichtigkeit: Welche Erinnerungen werden von Kulturen in welchen Situationen herangezogen und wie werden Erinnerungen tradiert, kulturell gestaltet, gepflegt und reflexiv bearbeitet? Ihren Ausdruck findet Erinnerungskultur in verschiedensten Formen, etwa in der Archivierung von Informationen, deren wissenschaftlicher Aufarbeitung und öffentlicher Dokumentation, in Gedenkstätten, Gedenktagen oder Denkmalen.

Kunst im öffentlichen Raum und Kunst am Bau

Kunst im öffentlichen Raum wird als Begriff für künstlerische Arbeiten verwendet, wenn diese in nicht privaten, nicht geschlossenen und für die Öffentlichkeit frei zugänglichen Räumen gezeigt werden. Dazu zählen Verkehrsflächen, Bauland, Grün- und Freiflächen, Waldflächen und Wasserflächen, die in Besitz der öffentlichen Hand sind, wobei die Grenzen zu halböffentlichen und privaten Räumen durchaus fließend sind. Eine Abgrenzung bringt der Begriff zudem gegenüber gebauten und in sich geschlossenen Kunsträumen wie Museen oder Galerien mit sich. Kunst im öffentlichen Raum muss sich nicht in festen Installationen oder Objekten äußern, sondern kann auch in Form von temporären Aktionen, ephemeren Kunstwerken und inszenierten Arbeiten geschehen. Von der Kunst im öffentlichen Raum zu unterscheiden ist die Kunst am Bau. Hierbei handelt es sich um ein seit den 1920er-Jahren im deutschsprachigen Raum bestehendes Konzept, bei dem beim Bau oder der Sanierung von Gebäuden ein Anteil der Baukosten in die künstlerische Ausgestaltung investiert wird. Üblicher Weise wird Kunst am Bau mit öffentlichen Bauten in Verbindung gebracht, wenngleich es auch private Bauvorhaben gibt, die Kunst am Bau realisieren. Die künstlerischen Arbeiten sind dauerhaft fest innen oder außen mit dem Bauwerk verbunden oder befinden sich im Freiraum auf dem dazugehörigen Grundstück, in einzelnen Fällen sogar im Umfeld des betreffenden Bauwerks. Hiermit löst sich auch die Grenze zur Kunst im öffentlichen Raum auf, ein Umstand, auf den in verschiedenen Kunst-am-Bau-Programmen wie in Niederösterreich oder der Steiermark in den letzten Jahren entsprechend reagiert wurde. Im Land Salzburg wurde 1981 eine gesetzliche Regelung für Kunst am Bau geschaffen. Seit 2008 wird die integrierte künstlerische Gestaltung von ausgewählten Bauvorhaben des Landes, die öffentlichen Zwecken dienen, über einen eigenen Fonds zur Förderung von Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum sichergestellt.

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